FAQ: Objektive adaptieren

Bedingt durch die Verwendung von analogen Objektiven an meinen spiegellosen Systemkameras, musste ich mich zwangsläufig damit auseinander setzen, wie ich denn dieses oder jenes Objektiv an eine moderne Kamera bekomme. Die Frage war schnell beantwortet. Man benötigt einen Adapter. Aber was macht dieser Adapter und kann ich jedes Objektiv an jeder Kamera nutzen? Wo sind die Einschränkungen, wenn es sie denn gibt und gibt es ganz besondere Adapter? Diesen Fragen möchte ich nachgehen.

Das Maß der Dinge

Bevor man sich überhaupt Gedanken um einen Adapter macht, muss man wissen wie er funktioniert. Ein kleiner Spoiler zum Anfang: Gar nicht so kompliziert. Dennoch braucht es ein paar Grundlagen um sie zu verstehen. Jede Kamera (egal ob analoger Film oder digitaler Sensor im Inneren) besitzt ein Objektiv, welches an der Kamera befestigt ist. Ausgehend von der Sensorebene hat die Auflagefläche des Objektivs am Bajonett einen vom Kamerahersteller definierten Abstand zum Sensor. Dieser Abstand nennt sich Auflagemaß.
Ist der Abstand zwischen Objektiv und Sensorebene größer als das definierte Auflagemaß, kann man zwar in den Makrobereich vordringen, erreicht aber nicht mehr eine Fokussierung bis unendlich. Scharfe Aufnahmen in weiter Ferne werden somit unmöglich.

Spiegelreflexkameras müssen zwischen Sensor und Auflagefläche noch einen Spiegel unterbringen. Also ist das Auflagemaß einer DSLR deutlich größer als bei einer Kamera ohne Spiegel. Das ist auch bei älteren Kameras aus der Film-Ära der Fall.

Wo in der Kamera die Sensorebene liegt, lässt sich übrigens an einem Symbol auf dem Gehäuse erkennen (siehe Bild).

Die gezeigte Auflagefläche des Objektivs und der Abstand zur Sensorebene bezieht sich hier auf das Auflagemaß von nativen Objektiven. Bei Verwendung eines Adapters ändert muss sich das Auflagemaß verständlicherweise ändern.

Nachdem nun erklärt wurde, was das Auflagemaß ist und dass es bei manchen Kameras größer ausfällt als bei anderen Modellen, ist vielleicht ersichtlich was ein Adapter genau machen muss. Er muss das Auflagemaß der Kamera so weit verlängern, das der Abstand zwischen Sensorebene und Auflagefläche des zu adaptierenden Objektivs dem Abstand entspricht, der für die analoge Filmkamera erforderlich gewesen ist.

Olympus hat an MFT-Kameras das Auflagemaß von 19,25mm. Sony verwendet beim e-Mount einen Abstand von 18mm. Richtet man noch einmal den Blick auf das vorherige Bild, dann sieht man das ein altes Objektiv mit OM-Mount an der Sony a7II adaptiert wurde. Das OM-Mount stammt ebenfalls von Olympus und ist in den alten Spiegelreflexkameras mit Film verwendet worden. Bei OM ist das Auflagemaß 46mm. Der verwendete Adapter verlängert also den Abstand von 18mm auf 46mm.

Zu Wiederholung:
Mit dem richtigen Auflagemaß kann man mit dem Objektiv bis „unendlich“ scharf stellen.
Wäre der Adapter zu kurz, würde man nur Verschwommenes wahrnehmen. Man kann nicht scharf stellen.
Bei zu langem Adapter erlebt man den Effekt, das man nur noch im Nahbereich fokussieren kann. Das Objektiv würde sich somit für Makroaufnahmen eignen. Den selben Effekt nutzt man übrigens bei der Verwendung von Zwischenringen.

Die zweite Funktion, welche ein Adapter erfüllen muss ist, dass er auf der Kamera zugewandten Seite das Bajonett der Kamera besitzt und auf der Objektivseite eben die Anschlussmöglichkeit für die Linse bietet, welche man adaptieren möchte. Er kann zum Beispiel ein Verbindungsstück von Minolta MD/MC auf e-Mount, ein Exakta auf Fuji X oder auch ein Olympus OM auf MFT sein.

Moderne Objektive adaptieren

Die Hauptfrage ist in der Regel ob man denn DSLR Objektiv an einer Spiegellosen adaptieren oder ob man z.B. ein e-Mount an MFT oder umgekehrt nutzen kann.
Die erste Frage an einem Beispiel beantwortet. Ein Canon EOS Objektiv kann ich rein vom Auflagemaß an MFT, Fuji X und e-Mount nutzen. Das Problem ist aber, dass ein Adapter ohne Elektronik mit der Blende und dem Autofokus nicht kommunizieren kann. Man kann zwar noch manuell fokussieren, aber die Blende würde permanent offen bleiben. Will man beides ansteuern, dann braucht es einen elektrischen Adapter.
Hier taucht nun auch der Knackpunkt auf. Sony bietet solche Adapter für die alten a-Mount Linsen auf e-Mount an. Canon tut das für EOS auf EOS-R und Nikon vom F-Mount auf die neuen Z-Kameras. Olympus hat übrigens einen Adapter von FT auf MFT im Programm. Ebenfalls elektrisch. Was aber tun, wenn man besagtes EOS Objektiv an MFT oder e-Mount nutzen möchte? Geht das?
Fremdhersteller bieten hierfür elektrische Adapter an. Bleibt die Frage nach der Sinnhaftigkeit so einer Adaption. Sieht man EOS Objektive doch hin und wieder an einer Sony a7x, ist mir persönlich noch kein EOS Objektiv an einer MFT Kamera unter die Nase gehalten worden. Das liegt vielleicht daran, das nur die Olympus E-M1 und E-M1II einen Phasen-AF haben und daher mit Phasen-AF-Objektiven flott genug fokussieren können. Zumindest ist der fehlende Phasen-AF dafür verantwortlich, weshalb man die alten Olympus FT-Objektive eher an einer der genannten E-M1 Modelle adaptieren sollte. Es ist auf den kleineren Baureihen (E-M5X und E-M10X) nicht unmöglich, aber man muss mit einem langsamen Autofokus rechnen.
Bei Preisen um 300€ für elektrische Adapter wird man diese Option der modernen Fremdobjektive für die eigene Kamera genau überdenken. Für das Standard-Reisezoom oder die Kitlinse ergibt es wenig Sinn. Wer aber hochwertige Festbrennweiten bzw. Zooms hat, der mag in die Versuchung kommen.

Ein kleiner Einschub zu den Arten des Autofokus. Es gibt Kameras, welche beide Autofokusarten sprechen, manche können nur Kontrast-AF oder Phasen-AF. Um aber im Detail zu erklären welcher Autofokus nun wie funktioniert, reicht dieser Beitrag nicht aus. Ich möchte aber auf einen Artikel vom FotoMagazin hinweisen, welcher den Autofokus wirklich gut erklärt.

Link: FotoMagazin

Es bleibt die Frage übrig, ob man auch ein MFT Objektiv an e-Mount nutzen kann oder nicht. Vom Auflagemaß würde es gehen. Wenn man auch nur 1,25mm Platz hätte, um einen Adapter unterzubringen. Doch selbst wenn es so einen Adapter gäbe, sinnvoll wäre es nicht. Denn MFT Objektive leuchten einen viel kleineren Bildkreis aus, als dies Sony bei APS-C oder Vollformat-Sensoren benötigt. Es gäbe daher massive dunkle Ringe am Bildrand. Das Stichwort heißt Vignettierung. Selbiges würde auch für MFT an Fuji X gelten. Kurzum: Es ergibt keinen Sinn, daher gibt es hierfür keine Adapter.

Fazit: Es gibt also Ausschlusskriterien, weshalb man ein Canon EOS Objektiv nicht an Nikon F, ein MFT Objektiv nicht an Sony a-Mount, ein Fuji X nicht an MFT nutzen kann. Mal liegt es am Auflagemaß und manchmal daran, das die Objektive einfach nicht für einen größeren Sensor gerechnet sind. Überhaupt…das Auflagemaß und Nikon F. Eine Sache auf die ich gleich noch einmal näher eingehe.

Die Besonderheiten – Altglas

Wenn man sich die Auflagemaße der verschiedenen Hersteller ansieht, dann merkt man schnell, dass Nikon mit dem F-Mount mit 46,5mm eines der höchsten Auflagemaße vorgibt. Daher lassen sich nur wenige alte Objektive ohne spezielle Adapter an diesen Kameras nutzen. Bei vielen Altgläsern würden sich mit einem Adapter der Abstand zum Sensor verlängern und man würde ein „Makro“-Objektiv erhalten. Dummerweise eines, mit dem man nicht mehr auf unendlich fokussieren kann. Möchte man das nicht, dann wird dann eine Korrekturlinse benötigt, welche das Licht anders bündelt. Man könnte auch sagen, man verpasst dem Adapter eine Brille, damit die Kamera wieder richtig sehen kann. Darunter leidet leider gerne die Bildqualität, weswegen Nikon-Kameras bei Altglasnutzern eher selten Zuspruch finden. Ganz gleich ob nun APS-C oder Vollformat.
Das schmälert natürlich nicht die Fähigkeiten von Nikon Kameras und alte Nikkore lassen sich bei einigen Baureihen sehr gut adaptieren. Es ist also nicht ganz unmöglich Altglas an eine Nikon zu flanschen, mitunter aber einfach schwierig.

Nicht ganz so schlimm sieht es bei Canon EOS Kameras aus. Hier kann man zum Beispiel Pentax K und M42 Altglas adaptieren, da sie vom Auflagemaß her genug Platz für einen Adapter lassen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Manche dieser Objektive reichen recht weit in das Kameragehäuse und so kann der Spiegel anschlagen. APS-C Sensoren machen hier weniger Probleme. Bajonette mit einem höheren Auflagemaß als Canon EF muss man umbauen oder würde auch eine Ausgleichslinse benötigen. Für Canon FD Objektive gibt es Umbauanleitungen, welche sich über eine Google-Suche sicherlich von jedem finden lassen, aber auch Adapter mit Ausgleichslinse zu kaufen.

Spiegellose Kameras wie Fuji X, Sony e-Mount oder Micro Four Thirds haben wie erwähnt ein kleineres Auflagemaß. Deswegen finden sich für nahezu alle Bajonette bzw. Anschlüsse die passenden Adapter. Egal ob M42, Pentax K, Exakta, Canon FD, Minolta SR (MD/MC) oder Olympus OM, die Auswahl ist groß. Manche Exoten wie z.B. Altix sind so gut wie nicht als fertig zu kaufende Adapter anzutreffen, sieht man von den selbst gebastelten auf ebay einmal ab.
Generell streiten sich die Geister bei Spiegellosen eher darüber, ob man für Altglas wirklich einen Cropsensor nutzen sollte oder eben Vollformat, um möglichst nahe am Feeling eines alten 35mm Film zu sein. Die Sony a7-Baureihe hat gefühlt den höchsten Zuspruch. Dennoch gibt es genug Altglas-Freunde die mit z.B. einer X-T2 mit APS-C Sensor arbeiten. Ich selbst adaptiere sowohl an MFT als auch an e-Mount.

Kurzer Einwurf zu der Frage: „Ich will Altglas haben, welche Kamera soll ich mir kaufen?“
Eine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Kameramodell spreche ich an dieser Stelle nicht aus. Ich vertrete die Meinung, dass jeder mit seiner gekauften Kamera glücklich werden muss. Allerdings rate ich jedem, der vorhat mit analogen Objektiven Erfahrungen zu sammeln, den Griff zu einer Spiegellosen Kamera in Erwägung zu ziehen. Die Möglichkeiten sind einfach breiter gestreut und man kann sein persönliches Gear Acquisition Syndrom bis zum Exzess ausleben. Fokus Peaking und eine Bildschirmlupe können weitere Pluspunkte sein.

Egal welche Kamera man nun vor sich liegen hat. Es verbleibt die Suche nach einem Adapter. Ein einfaches „Minolta auf (oder to) MFT“ – wie in meinem Fall – in die Suchmaschine eingegeben, lässt einen diverse Treffer landen. Ich selbst habe sowohl mit K&F Adaptern (zu MFT und zu e-Mount) als auch mit Berlin Optix (zu MFT) gute Erfahrungen gemacht. Solche Adapter kosten zwischen 20 und 30€. Ich selbst bestelle bei Amazon (Affiliate Link), eine weitere Quelle wäre ebay.
Viele Wege führen also zum ersten mechanischem Adapter.

Spezialadapter

Neben den normalen mechanischen Adaptern für Altglas gibt es noch einige Spezialisten.

So gibt es zum Beispiel die sogenannten LensTurbos, die den Cropfaktor von MFT und APS-C verringern und mittels Korrekturlinse den Bildausschnitt etwas näher an Vollformat bringen. Da die Bündelung geändert wird, erhöht sich auch die Lichtstärke des Objektivs.

PS: Solche LensTurbos gibt es unter anderem auch für moderne Canon EOS Objektive an MFT, Elektronik inklusive.

Ein Zyonghi LensTurbo mit Industar 50-2 an einer Olympus E-M1II

Wer viel im Makrobereich arbeitet, aber nicht ständig Zwischenringe verwenden möchte, der wird an einem Helicoid-Adapter Gefallen finden. Diese Adapter haben ein per Schneckengewinde ausfahrbaren Tubus und sind quasi eingebaute Zwischenringe. Nur eben stufenlos.

Ein Trioplan 100mm an einem Helicoid. Oben in Grundstellung, Unten auf maximalem Auszug und damit in Makro-Stellung.

Der letzte Spezialist ist der Tilt-Adapter. Diese ermöglichen es das Objektiv zur Sensorebene zu kippen und damit auch die Schärfeebene zu verändern. Wie sich der Tilteffekt äußert, lässt sich wohl am besten mit Hilfe des Miniaturisierungseffekts erklären. Durch das „tilten“ des Objektivs wirkt zum Beispiel eine Städteansicht aus wie eine Modellbaulandschaft. Ein Beispiel findet man im Review zum gezeigten Adapter.

Minolta MD 50mm F1.4 mit Quenox Tiltadapter an einer Olympus E-M1II

Zuletzt bleibt nur noch eine kurze Anmerkung zu den vielen Bastellösungen. Das adaptieren endet nämlich nicht damit, das man nur fertige Adapter kaufen kann. Wer geschickte Hände hat, der kommt noch einen Schritt weiter. Adaptierte Projektorobjektive, Self-Made-Tilt-Adapter und dergleichen mehr habe ich schon entdeckt. Wer sich sich selbst in die Tiefen der Altgläser hinein wagt, wird zu gegebener Zeit auch darüber stolpern.

Am Ende des Artikels darf man aber ob der vielen Technik eines nicht vergessen. Die Kreativität und der Spaß sollten bei der Fotografie im Vordergrund stehen. In diesem Sinne: Happy Shooting.

Merkosh

Als leidenschaftlicher Technik-Nerd berichtet Merkosh gerne über seinen fotografischen Alltag, schreibt Reviews und macht mit der Kamera sein Umfeld unsicher.

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