Review: Tarion Pro PB-01 Rucksack

Wer viel mit seiner Kamera unterwegs ist, der braucht natürlich ein geeignetes Transportmittel. Ein solches Transportmittel ist der vor kurzem bei mir eingetroffene Tarion Pro PB-01 Rucksack der sowohl für eine größere Ausrüstung, aber noch viel mehr für Wanderungen geeignet ist. Mir selbst war diese Marke bisher eher unbekannt, der Rucksack selbst hat aber ein gut durchdachtes Konzept. Grund genug für mich um ein Review dazu zu verfassen.

Aufbau

Wie auf dem Titelbild zu sehen ist, handelt es sich nicht gerade um einen kleinen Rucksack. Knapp 29 Liter passen hinein, die Außenmaße sind 31x19x49cm.
Unterteilt ist der Rucksack in zwei große Abteile, zwei Netztaschen an der Seite sowie zweier kleinerer aufgesetzter und aufklappbarer Fächer. Die Besonderheit des PB-01 ist das sich die beiden großen Abteile auch zu einem einzigen großen Abteil verbinden lassen und die ebenfalls im Lieferumfang enthaltene Bauchtasche. Letztere lässt sich zusätzlich zum Hüftgurt am Rucksack befestigen. Stichwort Hüftgurt noch, an diesem sind ebenfalls zwei kleine verschließbare Taschen untergebracht. Hier ist zum Beispiel Platz für einen Schlüssel oder Reinigungstücher.
Beidseitige Halteschlaufen am Rucksack ermöglichen übrigens das Mitnehmen von mindestens einem Stativ. In den Netztaschen findet eine 1,5 Liter PET-Flasche Platz.
Sämtliche Reißverschlüsse sind mit großen Schlaufen ausgestattet und lassen sich auch noch mit Softshell Handschuhen bewegen, für den Fall dass man mal an kälteren Tagen unterwegs ist. Um ein Eindringen von Regenwasser zu verhindern gibt es ein Art Überstand, welcher die Reißverschlüsse der beiden großen Abteile abdeckt. So ist die Ausrüstung definitiv im Trockenen.
Die aufgesetzten Fächer besitzen diesen Schutz nicht. Ebenso muss die Bauchtasche ohne diesen Schutz auskommen.

Frontansicht
Seitenansicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommen wir zu den Trägern. Diese lassen sich in der Höhe der Befestigung am Rucksack anpassen. Ganz gleich ob große oder kleine Person, mehrere Positionierungen sind möglich. Die Länge der Gurte lässt sich auf individuelle Ansprüche verstellen. Sowohl an den Trägern als auch am Bauchgurt. An den Trägern vom Rucksack kann man übrigens eine Kamera einhängen. Bänder inklusive Karabiner werden mitgeliefert. So stört bei der Wanderung kein Kameraband im Nacken.

Das Obermaterial ist aus wasserabweisendem Nylon, für sehr starke Regengüsse liegt eine Schutzhülle bei. Leider besitzt die Bauchtasche kein separates Regencover. Regnet es also sehr stark, sollte man besser die Regenjacke über diese Tasche stülpen.
Muss man den Rucksack oder den Bauchgurt absetzten, befinden sich am Boden stabile Pads, damit Beide sauber stehen bleibt. Diese Kür meistert der Tarion ohne Probleme. Erwähnenswert: Ein Handgriff oberhalb der Träger hilft den Rucksack anzuheben und zu schultern. Je nach Füllung kommt im PB-01 doch einiges an Gewicht zusammen.

Diverse Innenraumteiler liegen dem Rucksack bei. Einige dieser Teiler sind komplett in hellgrau, wie auch das Innenfutter des Rucksacks. Manche dieser Teiler haben aber eine helle Seite in der Farbe Orange. Bleiben wir kurz bei der Farbe. Im inneren hellgrau mit Orange, an der Außenseite hauptsächlich schwarz mit grauen und orangefarbenen Akzenten.

Bleibt noch die Erwähnung das auch ein Fach für ein Laptop vorhanden ist. Bestücken kann man über das obere Abteil in dem eine Klappe den Zugang freigibt oder einen Reißverschluss an der Seite. Bis zu 17 Zoll Größe kann man unterbringen. Besser kann man es wohl kaum lösen.

Stativ und Gurthalterung. Ein Reisestativ mag sich ein wenig verloren vorkommen. 50cm Packmaß für ein Stativ ist für die Schlaufen daher auch kein Problem

Verarbeitung

Man könnte bei dem Preis Bedenken haben ob denn alles sauber verarbeitet ist. Hier kann man eine erste Beruhigung aussprechen. Bei meinem Modell sind alle Nähte sauber versäumt, die Reißverschlüsse laufen größtenteils ohne zu hakeln. Die aufgesetzte Tasche mit Hardcase-Deckel ist eine der Stellen wo es mit dem Öffnen nicht ganz so sauber läuft. Allerdings nur dann, wenn man sie komplett öffnen will. Weitere Kritikpunkte bei den Reißverschlüssen konnte ich nicht finden.

Ein häufiger Schwachpunkt an Rucksäcken sind die Clips der Gurte. Die größte Befürchtung ist, dass diese Clips fummelig sind oder schnell kaputt gehen. Tarion hat das wie folgt gelöst: Man hat nicht die hochwertigsten Clips verwendet, aber auch keinen totalen Billigschrott. Das Einfädeln der Clips gelingt sauber, schließen fest und wenn sie eingerastet sind, dann halten sie auch an den Stellen wo man sie haben will. Rein vom Aussehen des Kunststoffes darf man ein wenig meckern. Dieser dürfte vom optischen Eindruck gerne etwas hochwertiger aussehen.

Mein persönlich großer Pluspunkt als Haustierbesitzer: Am Obermaterial verfangen sind keine Tierhaare. Wer sich erinnert, bei der Crumpler Kingpin Tasche hatte ich das als Kritik aufgeführt.

Tragekomfort

Durch die Größe der Tasche packt man mit Sicherheit mehr als nur die kleine Kompaktkamera hinein und schnell kommen 10 Kg Last oder mehr zusammen. Dank dick gepolsterter Trageriemen und Bauchgurt verteilt sich die Last aber gut auf Schulter und Hüfte.
Durch eine luftdurchlässig gepolsterte Rückwand hat man immer ein wenig Zirkulation, um „unter“ dem Rucksack nicht zu überhitzen. Schwitzen wird man an den Stellen wo die Träger, Polster und Gurte anliegen dennoch. Ganz ohne geht es eben nicht.

Durch die vielen Gurte sitzt der Rucksack auch stabil in Position, wenn man sie denn alle anlegt. Ungewollte Lastwechsel oder das ein Träger rutscht muss man nicht befürchten.
Die zusätzliche Bauchtasche erhöht durch den breiten Gurt zusätzlich die Stabilität, auch wenn man sich damit vollends als Packesel outet.

Fassungsvermögen

Das Wort Packesel ist dann auch die treffende Überleitung. Denn wichtig bei einem Rucksack ist die Frage was man alles unterbringen kann. Freunde von Spiegelreflex-Kameras dürfen sich auf die Aussage des Herstellers von 2 Bodies (inklusive Batteriegriff) und bis zu sieben Objektiven verlassen. Laptop wie erwähnt inklusive. Das Stativ erwähne ich an dieser Stelle nicht mehr, ebenso wenig den Kleinkram.
In der Bauchtasche kann man so einen Body mit Objektiv unterbringen, im oberen Fach als „Toploader“ ausgebaut ein weiterer Body mit angesetztem Objektiv.

Ich packe meinen Koffer… Eine der vielen Varianten zur Bestückung im oberen Abteil. Bei der Wanderung befand sich am Teleobjektiv die E-M5II und eine Polsterung hielt das Objektiv sicher an Ort und Stelle. Eine weitere Klappe (im Bild ist diese geöffnet) dient als Stopp um ein Herausfallen der Objektive zu verhindern, wenn das obere Abteil komplett geöffnet ist.

Als Nutzer einer Systemkamera im Allgemeinen und MFT im Speziellen könnte man meinen dass sich Kamera und Objektive in dem Rucksack etwas verlieren. Das mag bei Objektiven wie dem Olympus M.Zuiko 17mm Pancake auch so sein. Bei einem 40-150mm F2.8 Pro sind diese Sorgen unbegründet.
Um aber einmal die Fülloptionen auszuprobieren habe ich mich am heimischen Objektivschrank schadlos gehalten. Folgende Dinge habe im Rucksack untergebracht:

  • Bauchtasche:
    • Olympus E-M1II mit angesetztem 45mm F1.2 PRO
    • Olympus 60mm F2.8 Macro
    • Laowa 7,5mm F2.0
  • Unteres Abteil, Teiler für 6 Fächer eingebaut:
    • 12-40mm F2.8 PRO
    • 40-150mm F2.8 PRO
    • Teleconverter MC-14
    • Trioplan 100mm F2.9
    • Helios 44-2
    • Samyang 7.5mm Fisheye
  • Oberes Abteil
    • Olympus E-M5II mit angesetztem Tokina 75-260mm F4.5
    • Minolta Rokkor PG 50mm F1.4
    • Nissin Di700A

Zusätzlich war eine Wasserflasche mit 1 Liter Inhalt, ein Lunchpaket und ein Stativ mit dabei. Gefüllt waren dabei noch längst nicht alle Fächer.

In der Bauchtasche befindet sich die Olympus E-M1II mit angesetztem Batteriegriff. Seitlich in den kleinen Abteilungen und quasi unterhalb der Kamera finden das 60mm Makro-Objektiv und das Laowa 7.5mm Ultraweitwinkel ihren Platz.

Dennoch muss man diese Last auch tragen können und daher ging es mit dieser Füllung auf einen ersten Tragetest.

Kritische Blicke beim ersten Tragetest

Testparcours

Man kann viel darüber schreiben, wie sich ein Rucksack bestücken lässt. Ob er wirklich für den gewünschten Zweck taugt, merkt man erst, wenn man damit unterwegs ist. Also den Rucksack (wie vorher beschrieben) vollgepackt und ab in die freie Wildbahn. Zuerst war ich bei gutem Wetter mit der beschriebenen Zuladung (Allerdings ohne Lunchpaket) auf einer knapp 4 Km langen Runde unterwegs, rechts im Bild zu sehen. Allerdings mit Hund, weshalb man die an den Trägern eingehängte Leine sieht.
Hier konnte ich einen ersten Eindruck erhalten und habe mich an eine längere Wanderung gemacht. Drei Stunden Fototour durch ein Waldgebiet mit mehreren Steigungen und bei leichtem Regen darf man getrost als gute Testbedingungen bezeichnen. Übrig blieb es, eine Langstrecke zu testen. Dafür war ich letztendlich auf einer 18 Km Wanderung unterwegs, inklusive Übernachtung. Betrachten möchte ich nun im zweiten Teil meiner Erfahrungen im Testparcours diese lange Wanderung, denn hier konnte ich, ganz im Detail, die Stärken und Schwächen des PB-01 ausloten.

On Tour

Die Bauchtasche erwies sich als gute Lösung um die Hauptkamera (E-M1II mit 12-40 F2.8 PRO) immer griffbereit zu haben. Im oberen Abteil des Rucksacks wartete die Zweitkamera mit angesetztem Teleobjektiv (E-M5II mit 40-150 F2.8 PRO) auf ihren Einsatz. Die restlichen Objektive (50mm Minolta F1.4, Samyang 7,5mm Fisheye, 45mm F1.2 PRO) und Filter zwischen den Teilern.
Da ich auch Kleidung und Proviant dabei hatte, wurde zwischen den Teilern des unteren Abteils Proviant, Wechselwäsche und ein paar Hygieneartikel einquartiert. Perfekt separiert mit den Teilern, welche eigentlich weiteren Objektiven eine Heimstatt sein sollten. An der Seite fand eine Trinkflasche und ein Stativ Platz.
Nun aber zur Bedienung selbst. Bauchtasche auf, Kamera in die Hand und gut. Ein kleines Makro und das Ultraweitwinkel (Laowa 7.5mm F2.0) hatte ich zusätzlich drin. MFT sei Dank geht das. So gelang schnell ein Wechsel der von mir häufig genutzten Linsen.
Nun aber die Frage, wie kommt man an die zweite Kamera mit dem Teleobjektiv? Dazu muss der Rucksack abgenommen werden. Drei Clips sollte man dazu lösen und erst dann kann man ihn absetzen. Schon beim zweiten Absetzen geht das fast Blind von der Hand. Noch fix den Reißverschluss öffnen, Deckel halb aufklappen und man hat die Kamera mit Tele griffbereit.

Proviant, Wechselkleidung (gut gefaltet versteht sich), Bürste, Zahnpflege und Sonnencreme. Was man für eine 2-Tagestour eben so braucht. Es fand im unteren Fach seinen Platz. Normalerweise würde man hier weitere Objektive unterbringen.

Überhaupt erwies sich das Auf- und Absetzen als ziemlich einfach. Hier hatte ich die größten Bedenken ob ich selbst mit einem so großen Rucksack zurecht komme. Ich mag dieses Hoch und Runter eigentlich überhaupt nicht. Noch viel weniger kann ich es leiden, wenn der Rucksack mit den Trägern zuunterst auf dem Boden zu liegen kommt, weil er umfällt. Oder das man die Bauchtasche immer wieder umständlich anbringen muss. 
Gute Nachricht: Umgefallen ist der Rucksack nicht, als er auf dem Boden stand und dadurch lagen weder die Träger noch die Front im Dreck. Das Absetzen hielt sich dank geräumiger Bauchtasche auch in Grenzen und so hatte ich meine Hauptausrüstung direkt griffbereit.

Die Träger des Rucksacks sind Höhenverstellbar. Größe S, M, L sind die Stufen. Dieses System knarzte zeitweise.

Negatives

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Da ich gerne ausführlich teste und nichts unter den Tisch fallen lassen will, möchte ich auf eine Sache zu sprechen kommen, die mir negativ aufgefallen ist. Es geht um den Geruch des Rucksacks nach dem Auspacken. Es roch gelinde gesagt sehr stark nach Chemie, um das einmal umgangssprachlich auszudrücken. Drei Tage auslüften an der frischen Luft hat das zum Glück etwas behoben. Um den Geruch zur Gänze loszubekommen, werden aber ziemlich sicher ein paar weitere Tage nötig sein. Ob es am Transport (Langstrecken Lieferung aus England, via UPS) oder andere Gründe hat, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ein Einzelfall, vielleicht aber auch nicht. Es erscheint mir daher wichtig dies anzumerken. 
Ebenfalls fiel mir auf, das die Träger auf der großen Wanderung phasenweise geknarzt haben. Ob sich das mit der Zeit gibt oder einfach dem variablen Trägersystem geschuldet ist, kann ich in der Kürze der Zeit leider nicht beantworten. Es wird wohl nicht jeden stören, ich selbst blende derartige Geräusche mit der Zeit aus.

Preis und Verfügbarkeit

Gekauft habe ich den Rucksack über Amazon (Affiliate Link am Ende des Artikels) und wie bereits erwähnt wurde er mir aus England zugeschickt.
Der TB-01 ist für einen Kaufpreis von 109,- € erhältlich und er platziert sich damit im Mittelfeld der doch sehr reichhaltig verfügbaren Fotorucksäcke.

Wissenswertes zum Hersteller: Hinter Tarion steckt ein in mehreren Ländern agierender Hersteller/Verkäufer von unterschiedlichen Kameraprodukten.

Fazit

Ignoriert man den strengen Geruch zu Anfang, so erhält man mit dem Tarion PB-01 eine soliden Rucksack, der es versteht viele Anforderungen zu erfüllen. Wer lange Wanderungen plant und viel Fotoequipment mit sich führen will, kann oder muss, der bringt eine ganze Menge an Ausrüstung unter. Ganz perfekt ist der Rucksack freilich nicht. So könnte man Reißverschlüsse verwenden, welche ohne Überstände gegen eindringendes Wasser geschützt sind (So wie zum Beispiel bei der Cumpler Kingpin 9000) oder man verwendet hochwertigere Clips an den Gurten. Das wiederum kann man verschmerzen, betrachtet man den Preis. Konkurrenzprodukte von anderen Herstellern, welche ein ähnliches Fassungsvermögen bieten kostet gerne 50-100€ mehr.
Ich selbst habe den Rucksack schätzen gelernt und halte ihn für den für mich perfekt geeigneten Reisebegleiter auf einer Fotowanderung. Für eine Wertung würde ich daher 4 von 5 Sternen vergeben, den einen Stern Abzug muss sich der Rucksack durch den anfänglichen Geruch leider gefallen lassen.

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