Review: 7artisans 35mm F1.2

Vor knapp 2 Wochen erreichte mich die Meldung, dass das 7artisans 35mm F1.2 verfügbar ist. Ich habe mich nach einem Händler umgesehen und ein Exemplar bestellt. Inzwischen ist es bei mir angekommen und ich konnte die Linse testen. Die Ergebnisse meines Ersteindruck und was ich über das Objektiv denke, habe ich für Euch in einem Review zusammen gefasst. Viel Spaß beim Lesen.

Lieferumfang

Meinen Händler habe ich über das große Versandhaus mit dem großen A gefunden. Das bestellte Angebot auf Amazon (Affiliate Link) umfasste allerdings nicht nur das Objektiv. Seitens des Shops war eine zusätzliche Objektivtasche und ein Reinigungstuch aus Microfaser dabei. Grundsätzlich freue ich mich, wenn ein Händler ein paar Goddies dazu gibt. Für den Kauf waren diese Dreingaben allerdings nicht entscheidend. Aber wer schaut einem geschenkten Gaul schon ins Maul? 
Auch der Hersteller 7artisans hat ein kleines Stoffsäckchen als Aufbewahrung in die Schachtel gepackt. Front- und Rückendeckel sind mit dabei, eine Streulichtblende gibt es nicht dazu.

Anmerkung zum Versand:
Meckern muss ich übrigens über die Luftpolstertasche in der es versendet wurde. Man schickt ein Objektiv um den halben Erdball, was natürlich nicht ganz ohne Blessuren für die Kartonagen abgehen kann. Die Ecken meiner OVP waren bei Erhalt etwas eingedellt. Ein kosmetisches Problem, welches auf das Objektiv keinen Einfluss hatte, das war sicher im Inlay eingebettet. Schön ist dennoch etwas anderes. Hier kann ich nur den Tipp geben eine bessere Umverpackung zu nehmen, lieber Händler.
Das Tracking des Paketes über One World Express hat leider auch nicht geklappt. Man konnte wohl vom „Carrier“ keine Signale erhalten. Probleme des Lieferdienst wohlgemerkt, erwähnt werden soll es dennoch.

Technische Daten

Schauen wir einmal, was das Objektiv auf der technischen Seite bietet.

  • Brennweite 35mm (70mm KB äquivalent)
  • Maximale Blende F1.2 
  • Minimale Blende F16
  • 9 gerundete Blendenlamellen
  • Linsenkonstruktion 6 Elemente in 5 Gruppen
  • Multi-Beschichtung
  • Manueller Fokus, keine Kontakte
  • Mindestfokussierabstand 35mm
  • Durchmesser Filtergewinde 43mm
  • Gewicht 150g
  • Material: Aluminium mit Kupferkern

Ersteindruck

Schon bei der Bestellung erinnerte mich das Äußere des Objektivs sehr stark an altes Zeiss Tessar 50mm und entfernt an mein Industar 50-2. Eine leichte Schräge am Blendenring, der ähnlich geformte Fokusring und der Frontdeckel wird über das vordere Element geschoben. Das weckt zumindest nostalgische Gefühle. Man möchte fast meinen, man hätte ein „richtiges“ Altglas vor sich.
Von der Bauweise ist das Objektiv jedenfalls sehr kompakt gehalten, auch wenn es kein Pancake ist. An der E-M1II steht es nur knapp weiter nach vorne als der Griff. Das Objektiv hat, angebaut an der Kamera, eine Höhe von knapp 3cm. Selbst an der E-PL8 wirkt es übrigens noch winzig. 

Aber lässt sich das Teil auch gut bedienen? Ich hatte ein wenig befürchtet ob ich mit meinen großen Händen die Blende und die Fokussierung gut verstellen kann. Eine Sorge die sich als unbegründet erwiesen hat. Dank der Riffelung an den Ringen ist das justieren kein Problem. Beim Ansetzen wird es aber doch ein wenig unschön. Man muss das Objektiv schon fast an Blenden- oder Fokusring festhalten um es anzuflanschen.

Haptik und Verarbeitung

Das Objektiv liegt gut in der Hand, es fühlt sich an der Kamera einfach perfekt an. Hier kann man nicht meckern. Nichts klappert, die Ringe laufen geschmeidig und meiner Meinung nach mit dem richtigen Widerstand zum Justieren. Die Blende hat übrigens keine Rasterung. Das typische Klick-Klick beim Verstellen fehlt also. So kann man zwar stufenlos einstellen, will man aber den Wert wissen so muss man einen Blick auf die Skala werfen. Geschmackssache ob man das mag oder nicht.
Ein Kritikpunkt ist auf jeden Fall der Frontdeckel. Der mag in einer Tasche schneller herunter rutschen als ein Deckel mit Halteclip. Weshalb man heutzutage solche Deckel verbaut, entzieht sich meiner Kenntnis.
Wetterfest ist das Objektiv übrigens nicht. Aber das wäre bei diesem Preis und bedingt durch die kompakte Bauweise wohl ein sehr illusorischer Wunsch.

Bildqualität

Wie erwartet ist das Objektiv bei Offenblende extrem weich. Speziell dann, wenn man wie ich oft nahe am Motiv hängt. Es wird besser, sobald man etwas weiter weg steht. In den Ecken wird es aber erst dann richtig scharf, wenn man abblendet. Eigentlich ist das Objektiv damit optimal für Portraits an MFT-Kameras. Wer also einen weichen Bildlook mag, der wird mit dem Objektiv eher glücklich, als jemand der ein knackscharfes Bild haben möchte. Die Bildleistung eines Objektivs aus der F1.2 PRO Serie von Olympus darf und kann man meiner Meinung nach nicht erwarten.
Zurück zum Bildeindruck. Die Gesamtschärfe der Aufnahmen nimmt mit Schließen der Blende signifikant zu. Anhand meinen Testbildern wage ich die Behauptung, dass ab F4 der Schärfeeindruck in der Mitte am besten ist. Möchte man auch noch die Ecken einigermaßen scharf, dann sollte man den Blendenwert noch höher nehmen. Bei den Häusern der Nachbarschaft habe ich mit F16 die subjektiv besten Ergebnisse erreicht.

Da das Objektiv für einen APS-C Sensor konstruiert wurde, ist die Vignettierung an MFT nicht so stark präsent, aber vorhanden. Lensflares wird man bei Gegenlicht feststellen. Hier muss jeder für sich entscheiden ob einem so ein Verhalten gefällt oder nicht. Passend eingesetzt können Lensflares durchaus zur Bildgestaltung beitragen. Von der Art und Weise wie sie sich beim 7artisan zeigen finde ich sie ansehnlich.
Am meisten muss ich aber das Bokeh loben. Ich würde es als cremig weich bezeichnen. Die Lichtreflexe entwickeln sich als schöne Kreise und ein wenig Geblubber gibt es obendrein. Das hat schon seinen Reiz.

35mm / F1.2 / ISO 200 / 1/800s

Ich gestehe übrigens dass ich kein Mensch bin der aufwändig ein Testbild aufbaut und dann eine Schablone abfotografiert um Feinheiten zu messen. Daher bin ich mit der Linse in die freie Wildbahn hinaus und habe Testbilder aufgenommen. Speziell dafür habe ich Euch am Ende des Reviews eine Galerie eingefügt. So könnt Ihr Euch eine eigene Meinung zum Look der Aufnahmen bilden.

Preis

Gekauft habe ich das Objektiv bei JYPhoto über Amazon (Affiliate Link). Versendet wurde es aus Shenzen in China. Es ist also ein Import. Mit dem Zoll gab es keine Schwierigkeiten, man muss aber mit einer etwas längeren Lieferfrist rechnen. Der Händler gibt ca. 4 Wochen an. Ich hatte am 13.10.2018 bestellt. Angeliefert wurde das Paket am 23.10.2018.

Da eine Streulichtblende fehlt und man eventuell den Frontdeckel ersetzen möchte, könnten übrigens folgende Produkte interessant sein:

Fazit

Eine Charakterlinse mit 35mm und F1.2 für knappe 160€? Das klingt auf den ersten Blick zu schön um wahr zu sein. Das Gesamtpaket weiß zu gefallen, auch wenn man sich darüber bewusst ist, dass es nicht in derselben Liga spielt wie die Olympus F1.2 PRO Serie. Letztere spielt aber auch preislich in ganz anderen Regionen. Wenn man die Kosten des 7artisans (in Verbindung mit den verwendeten Materialien) und den Bildergebnissen vergleicht, dann bekommt man für knappe 160€ ein Objektiv das durchaus sein Geld wert ist. Mir selbst gefallen die Ergebnisse. Als finale Wertung würde ich 4 Sterne vergeben. Einen halben Punkt ziehe ich ab, da ich das Objektiv nur bedingt für jeden Fotografen empfehlen kann. Der Bildlook muss einem gefallen. Tut er das, dann ist das Objektiv ein Must have. Den restlichen halben Punkt muss sich der Hersteller wegen dem Objektivdeckel gefallen lassen. Der ist schlicht und ergreifend Mist. Vielleicht hat 7artisans ein Einsehen und bessert nach.

Testbilder

Die Einstellungen und die verwendete Kamera, könnt Ihr dem Begleittext zu den Bildern entnehmen. Mittels Bildbearbeitung sind die Aufnahmen verkleinert worden.

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