Ist die Angabe von Exif-Daten sinnvoll?

Ich bin bei Facebook in mehreren Fotogruppen unterwegs. Manche richten sich an Amateure, wiederum andere an den Einsteiger. Immer wieder stolpert man dort, in ständig wiederholender Regelmäßigkeit, über eine Frage, die meistens von Neulingen in der Fotografie stammt.

„Könnt Ihr zu Euren Bilder auch die Exif-Daten angeben?“

Eine Frage, die man vermutlich nicht nur von Facebook kennt. Wer im Übrigen den Begriff Exif noch nicht kennt, die Abkürzung steht für Exchangable Image File Format. Dahinter verbergen sich die Metadaten des Bildes, unter anderem die Werte von Blende und Verschlusszeit. Sprich Parameter mit denen man das Foto aufgenommen hat. Das erklärt wohl auch, weshalb so oft der Wunsch entsteht genau diese Daten in Erfahrung zu bringen. Aber helfen diese Daten wirklich dabei, das ich eine Aufnahme nachstellen kann?

Zuerst sollte man sich die Abhängigkeiten der Parameter ansehen. Eine Aufnahme mit Offenblende (F1.8 z.B.) wird bei gleicher Lichtstärke eine sehr viel kürzere Verschlusszeit haben, als ein Foto mit Blende 8. Ebenso wird ein Motiv eines fahrenden Autos mit 1/5s Verschlusszeit ein verwaschenes Fahrzeug generieren, während bei 1/1000s das Auto klar zu sehen ist, passende Blende und ISO vorausgesetzt.
Lichtstärke, Verschlusszeit und Blende hängen zusammen und entscheiden darüber, wie mein Endprodukt aussehen soll. Damit habe ich eigentlich das Pro EXIF-Daten Argument. Also her mit den Daten. Ich will schließlich lernen.
Leider ist es nicht ganz so einfach. Ich werde mit den erhaltenen Daten vielleicht begreifen, das ich eine schnelle Verschlusszeit benötige um ein fahrendes oder fliegendes Objekt scharf abzubilden. Vielleicht lerne ich auch damit, das eine Aufnahme mit Blende 4 eine höhere ISO oder eine längere Verschlusszeit benötigt als ein Bild mit Blende 2.8 um ausreichend belichtet zu sein.
Zu 100% nachstellen werde ich ein Bild damit aber nicht. Es gibt viel zu viele Faktoren die Einfluss nehmen. Das fängt bei der verwendeten Kamera an und hört beim Wetter auf.

Es gibt auch ein weiterer Punkt, der von einem Neuling gerne übersehen wird. Bilder sind grundsätzlich bearbeitet. Für die Personen welche nur in JPG fotografieren übernimmt es die Kamera, die RAW-Freunde tun das selbst im RAW-Entwickler/Bildbearbeitungsprogramm der Wahl. Somit ist jedes Foto eine Interpretation dessen, was man selbst gesehen hat oder kurz gesagt: Unbearbeitete Digitalbilder gibt es nicht.
Und genau jetzt steht man an dem Punkt an dem man bemerkt, dass das Wissen um Exif-Daten nur bedingt etwas hilft um ein Foto nachzustellen. Es liefert allenfalls eine Hilfestellung, bei der ich vor Ort bei meiner Aufnahme allerdings abweichen werde, sogar muss da mein Bild mit den genannten Werten vielleicht falsch belichtet ist.

Ich selbst gebe hin und wieder bei der „Ein Tag ein Bild„-Serie Werte der Kamera an, erkläre aber auch dazu welches Gerät zum Einsatz kam und grob welcher Workflow in der Bildbearbeitung stattgefunden hat. Seht es als Tipp oder als Anregung, nicht aber als Richtlinien, das einzig allein mit den genannten Parametern dasselbe Bild heraus kommt. Ihr würdet vom Ergebnis ziemlich enttäuscht sein.