Wie geht eigentlich Kritik?

Kritik am Bild, was ist das eigentlich? Eine Frage die ich mir schon öfter gestellt habe und so beantworte: Etwas das uns helfen soll unsere Fähigkeiten zu verbessern. Um Feedback zu bekommen muss man zwangsläufig ein Bild veröffentlichen. Denn ohne Grundlage kann das nichts werden. Auf den meisten mir bekannten Kommunikationswegen in Fotogruppen oder Foren wird dazu ein Bild gepostet und es taucht die immer gleiche Frage auf: „Wie findet Ihr es?“

Unglück nimm deinen Lauf

Mit dieser Frage fängt sich das ewig gleiche Rad an zu drehen und je nach Fähigkeitslevel des Fragestellers fallen die Kommentare anderer Fotografierenden aus.

  • Woa, tolles Bild
  • Lern mal lieber wie du deine Kamera bedienen musst
  • Wirf das mal lieber in die Mülltonne
  • Besser du fotografierst mit einem Handy

Ihr schmunzelt jetzt vielleicht, weil Ihr diese Sätze lustig findet. Es sind Sätze die ständig fallen. Auch wenn der Erste noch schmeichelhaft klingen mag, die Letzten sind es nicht mehr. Allesamt haben aber dasselbe Problem. Sie stellen keine gute Kritik dar. Es sind leere Worthülsen die einem entweder das Ego streicheln oder im schlimmsten Fall beleidigend oder persönlich werden. Der Lerneffekt tendiert gegen Null.
Wenn schon Kritik, dann bitte richtig. Man will sich verbessern, man will an sich arbeiten. Also starten wir in Runde zwei. Wir schauen uns weitere Kommentare an.

  • Hast du schon mal etwas von geradem Horizont gehört?
  • Wieso hast du das Bild nicht richtig belichtet?
  • Du nennst dich mit solchen Bildern ernsthaft Fotograf?

Spätestens bei Runde zwei sind wir als Bildersteller nun frustriert, enttäuscht, beleidigt oder wütend.

Was erdreistet sich diese minder bemittelte Community meine Meisterwerke nur so madig zu machen? Sie sind…göttlich, perfekt und über jeden Zweifel erhaben.

oder

Ich bin doch noch Anfänger. Die sind so gemein. Ich such mir lieber ein anderes Hobby.

Das mag in dem Moment vielleicht in unserem Kopf vorgehen. Uns gefällt ja das Bild, welches wir gemacht haben. Das uns solche Gedanken in den Sinn kommen ist normal. Man hat mit dem Finger auf uns gezeigt, uns getadelt oder unser Bild abgelehnt. Uns verletzt oder das Selbstwertgefühl angegriffen. Das lassen wir uns nicht gefallen und reagieren mit Widerstand auf die vermeintliche Bestrafung. Das Ende kennt man. Wir erzeugen eine Gegenreaktion und wehren uns, schreiben eine Rechtfertigung und eine Spirale der Diskussion beginnt. Endergebnis? Sehr ernüchternd, Lerneffekt immer noch Null.

Wie macht man es denn nun richtig?

Was wir brauchen sind Kommentare, die unsere Bild auch wirklich analysieren uns weiterhelfen. Zum Beispiel:

  • Mir fällt auf das dein Horizont leicht nach rechts kippt. Dadurch wirkt das Bild auf mich unruhig. Ich würde versuchen das in der Bearbeitung zu begradigen.
  • Es wirkt auch mich als wäre der Fokus nicht exakt auf dem Hauptmotiv. Lass dir etwas Zeit bei deinen Bildern.
  • Mir gefällt dein Foto, weil es sehr schön aufgeteilt ist. Dein Hauptmotiv liegt sauber im goldenen Schnitt.

Sie erklären wo Fehler liegen und wie man sich verbessern kann. Das Sahnehäubchen wäre natürlich, wenn positive Aspekte stärker hervorgehoben werden, als die negativen Punkte. Der Fingerzeig, das böse „Du hast“ fehlt nun, wir versuchen keinen Unmut zu erzeugen. So bekomme ich aus der Sicht des Betrachters gesagt, was ich verbessern kann.
Worin man sich selbst nicht verlieren sollte sind Rechtfertigungen, wir brauchen uns für einen Fehler nicht zu entschuldigen. Nicht immer muss ein Bild, welches einen Fehler hat unansehnlich sein. Es ist aber auch nicht perfekt. Das ist dann eben so. Lernen wir daraus und machen weiter.

Denn so wie wir Kritik wollen, sollten wir selbst nicht anfangen den Spieß umzudrehen. Es ist bei Feedback einfach besser man hört zu und lässt es auf sich wirken. Oder scrollt weiter, wenn der Kritiker nicht in der Lage ist ohne Angriff zu kommentieren.

Fazit

Der Ton macht die Musik, eine richtig verpackte Ich-Botschaft kann auch einmal sagen, das ein Bild nicht gelungen ist. Aber sie will konstruktiv erfasst sein und unsere Gegenüber nicht angreifen. Einfach ist eine solche Form des Feedbacks nicht zu schreiben. Wenn ich aber nicht in der Lage bin, mich mit einem Bild sachlich auseinanderzusetzen, sollte ich mir überlegen ob es nicht besser wäre keinen Kommentar zu verfassen.

Was ist Eure Meinung zu diesem Thema? Lasst mir gerne ein Feedback dazu hier.

One Reply to “Wie geht eigentlich Kritik?”

  1. Nicht nur der Ton und die wertschätzende ich-Botschaft macht das gute Feedback aus – auch wen man um Feedback bittet.
    Meine Frau mag kritischer sein als zB mein Bruder oder die Eltern.
    Der Freund der eher Golf spielt als sich mit Kunst beschäftigt wird immer nur wohlwollendes erwähnen.
    Der Foto-Nerd mit akutem GAS sieht sicherlich die Unlänglichkeiten des verwendeten Objektives bzgl. der nicht 100% runden Bokeh-Bälle.
    Der Bekannte aus dem Fotoclub der seine Zeit im Zoo verbringt hat ggf. kein Auge für die Schönheit dieses Naturbildes.
    Und der andere Naturfotograf aus dem Fotoclub wird überkritisch sein da er neidisch ist das Bild nicht selbst gemacht zu haben.

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