Bitte lächeln…

Portraitfotografie. Ein Thema, das einen zwangsläufig beschäftigt, wenn man nicht nur die Natur oder Tiere ablichten möchte. Neben Dingen wie Bokeh, Brennweiten und Einstellungen beschäftigt mich aber eher eine viel ernstere Frage. Wieso muss oder soll man immer zwingend lächeln auf einem Bild?

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La Madmoiselle de France

Vor einiger Zeit hatte ich die Diskussion bei einer Aktaufnahme. Jemandem der sich das Bild angesehen hatte meinte: „Hey, wenn dein Modell lächelt, wird das Bild viel besser.“
Eine Aussage, die mir durch den Kopf ging. Man denkt darüber nach und führt sich die eigene Art zu fotografieren vor Augen.

Ich versuche gerne Menschen aus unbeobachteter Position heraus aufzunehmen, was den Vorteil hat, sie in einer möglichst natürlichen Situation zu erwischen. Dazu braucht es aber ein geschicktes Händchen, eine passende Situation und in aller Regel auch ein Teleobjektiv. Bei einer Veranstaltung oder auch auf der Straße kann ich damit Erfolg haben. Wirklich viel Zeit für den Bildaufbau hat man dabei leider nicht immer.
Diese Art von Aufnahmen ergeben Bilder wo Menschen einmal lächeln oder auch sehr nachdenklich wirken. Mancher ist mitten in einer Diskussion mit ständig wechselnder Mimik und gestikuliert wild durch die Gegend.

Weiterhin steht die Aussage im Raum „Wenn dein Modell lächelt, wird das Bild viel besser“.

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Suspicious

Der Kommentar kam ja bei einer Aktaufnahme auf. Aufnahmen, welche eher nicht ohne gewisse Planung entstehen. Also einem Shooting, wie man das Neudeutsch benennt. Ich arbeite bei solchen Aufnahmen mit kürzeren Brennweiten, bin näher am Motiv. Spreche mit dem Gegenüber, diskutiert über Positionen. Flitzt mal in die Hocke oder stehe erhöht. Das Auge am Sucher hat man die perfekte Position und das finale Kommando ertönt. Die Bitte um ein „Lächeln“.

Normal denkt man, das ist der Moment wo der Fotograf auf den Knopf drückt und alles ist im Kasten. Ich selbst habe aber schon oft erlebt, dass genau dann jemand anfängt zur absoluten Salzsäule zu erstarren und das Lächeln auf den Bilder wirkt als ob man die Gesichtszüge mit Klebeband fixiert hat. Künstlich, verkrampft, gestellt.

Was mich also zurück bring an den Anfang. Wird ein Bild besser, wenn das Modell lächelt? Ich habe bei dem Kommentar lange überlegt ob ein Bild wirklich besser wird, wenn das Modell lächelt. So wirklich zufriedenstellend konnte ich mir die Frage anfangs selbst nicht beantworten.

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Stare

Auf der einen Seite tendiere ich dazu Nein zu sagen. Denn wenn ich versuche eine Ernste Seite bei einem Portrait zu wecken, ist ein Lächeln fehl am Platz.
Was aber, wenn ich eine Hochzeit fotografiere; wirkt dann ein emotionsloser Gesichtsausdruck nicht sogar verstörend?

Es mag also Situationsbedingt sein, welche Emotion man zeigt oder sich zeigen lässt. Für den Fall einer Aktaufnahme hat ein anderer Fotograf, der Ähnliches zu hören bekam, eine sehr schöne Antwort gehabt. „Wenn ich für den Playboy ein Shooting mache, dann werde ich daran denken dass das Modell lächelt. Bis dahin entscheide ich nach Bauchgefühl“.

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Ramona

tl;dr

Ein Lächeln muss nicht immer das Beste für ein Portrait sein. Man sollte Situationsabhängig entscheiden ob es passt oder nicht.

Merkosh
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