Kamera-Einkaufshilfe – Teil 2

Herzlich willkommen zum zweiten Teil der Einkaufshilfe.

Nachdem wir in Teil l die ersten Überlegungen darüber hinter uns gebracht haben, was wir wollen, geht es jetzt ans Eingemachte. Was möchte man als Neuling fotografieren und was will man in der Hand halten? Dazu muss man sich ansehen, welche Typen es überhaupt gibt. Fangen wir also damit an:

Digitale Kompaktkameras

Die Kompakten sind in der Regel klein genug, dass sie ähnlich einem Smartphone in einer Hosentasche verschwinden können. Sie bieten sich als Überall-Dabei-Kamera an, da sie zudem noch sehr leicht sind. Meistens als „Reisekamera“ bezeichnet, findet man sie im Elektro-Großmarkt genauso wie beim Fachmarkt oder Fachhandel. Die günstigsten Vertreter in dieser Kategorie sind mitunter schlechter als das bisherige Smartphone, es gibt aber auch ein paar echte Edel-Exemplare, die auf dem Niveau von Einsteiger-System-/Spiegelreflexkameras liegen, was man dann aber am Preis merkt.
Sofern nicht nur ein Live-View des Bildes zum Bildaufbau verwendet wird, kommt ein elektrischer Sucher zum Einsatz.

Digitale Bridgekameras/Superzooms

Die Bridgekamera, gerne auch in der Geschmacksrichtung „Superzoom“, steckt in der Regel in einem Gehäuse, das einer Spiegelreflexkamera nachempfunden ist, allerdings – wie bei der Systemkamera – deutlich kompakter ausfällt. Das Objektiv solcher Kameras ist fest verbaut. Ein Wechsel ist daher nicht möglich, man muss mit dem leben, was an der Kamera verbaut ist. Hier finden sich Objektive, die von Weitwinkel bis Tele eine große Bandbreite anbieten und teilweise sogar recht lichtstark sind. In Superzooms kommen manchmal extrem lange Brennweiten mit ins Spiel, die es erlauben, sehr weit entfernte Objekte sehr nahe heran zu holen. Live-View zur Bildgestaltung findet sich hier ebenso wie ein elektrischer Sucher.

Digitale Spiegellose Systemkameras (DSLM)

Ohne Spiegel im Gehäuse kommen die Spiegellosen Systemkameras daher. Bei diesem Kameratyp trifft man aber ein Wechselobjektiv an und so kann man die Kamera für weitwinklige Landschaftsbilder, Portraitaufnahmen oder zum Fotografieren von Wildtieren rüsten. Im Gegensatz zu Bridgekameras und Kompakten kommen hier in der Regel größere Sensoren zum Einsatz, die rauschärmere Bilder ermöglichen. Systemkameras sind dank des fehlenden Spiegels kompakter und oft auch leichter als Spiegelreflex-Kameras, bieten aber je nach Modell ähnliche Einsatzgebiete. Ein elektrischer Sucher ist mit an Bord, aber auch hier funktioniert ein Live-View.

Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR)

Groß und wuchtig könnte man das Aussehen einer Spiegelreflexkameras beschreiben. Im Gehäuse steckt meistens ein Klappspiegel, der das Licht zum Sucher umlenkt und bei Auslösen der Kamera das Licht auf den Sensor freigibt. Ein Grund, weshalb diese Kameras deutlich größer ausfallen als Systemkameras. Immerhin benötigt so eine Mechanik Platz. Als Sucher kommen sowohl elektrische als auch optische Varianten zum Einsatz. Ein Rückwärtiges Display ermöglicht natürlich ebenso einen Live-View. Die Sensoren von Spiegelreflexkameras sind ähnlich d groß wie in den Vertretern der Systemkameras.

Soweit erst einmal zu den Kameratypen. Weiter geht es mit dem Format des Sensors.

Sensorformate

Bereits bei der Beschreibung der Kameras kamen verschiedene Sensorformate zur Sprache. Je nach Kameratyp sind diese unterschiedlich groß, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Aber erst einmal zu den Größen an sich. Als sogenanntes Vollformat oder FF (Full Frame) gibt es den Sensor, der dem damaligen 35mm Film (Kleinbild) entspricht. Mit Ausnahme des Mittelformat-Sensors sind die hier erwähnten Sensoren kleiner als FF. Wenn man ein 50mm Objektiv an Vollformat nutzt, dann „sieht“ das Objektiv einen Bildausschnitt von 50mm. An einem kleineren Sensor verändert sich dieser Bildausschnitt indem man die Brennweite des Objektivs mit dem sogenannten Cropfaktor multipliziert. So entsprechen diese 50mm bei Cropfaktor 2 dann 100mm Bildausschnitt.

Hauptsächlich wird man beim Kamerakauf mit folgenden Sensorgrößen konfrontiert

  • Vollformat (Sony, Nikon FX, Pentax) mit Cropfaktor 1
  • APS-C (Sony, Nikon DX, Pentax) mit Cropfaktor 1,5
  • APS-C (Canon) mit Cropfaktor 1,6
  • MFT (Olympus, Panasonic, Yi)
  • 1″ (Sony RX-Serie, Nikon CX, Panasonic) mit Cropfaktor 2,7
  • 1/2,3″ (Kompaktkameras unterschiedlicher Hersteller) mit Cropfaktor 5,6

Manch einer wird sich wundern, weshalb ich überhaupt nicht auf das sogenannte Mittelformat eingehe. Ich habe aber Gründe. Derzeit finde ich, das Mittelformatkameras bei weitem noch nicht im Massenmarkt angekommen und die Modelle, die man erhalten kann liegen Preislich nicht in dem Umfeld, die ein Einsteiger ausgeben will. Wer nun erwähnt, dass die Preisfrage auch auf Vollformat-Kameras zutrifft, der hat recht, aber FF-Modelle sind wesentlich häufiger im Fachhandel anzutreffen.

Gewicht und Größe

Gestern bereits angesprochen, stellt sich nun noch einmal die Frage nach dem Gewicht der Kamera. Die Unterschiede sind aber schnell erklärt, wenn man ein paar Ausnahmen und Besonderheiten außer Acht lässt, die für die grundlegende Entscheidung nur entfernt eine Rolle spielen. Gehen wir von einem Standard-Brennweitenbereich von 24-70mm Kleinbild, dann wird die Kompakte am leichtesten sein, gefolgt von der Bridgekamera (wobei diese eher eine längere Endbrennweite aufweisen wird), die Systemkamera liegt entweder gleichauf mit einer Bridgekamera oder ist leicht schwerer, was am Verwendeten Objektiv und dessen Lichtstärke liegt. Das Ende dieses Vergleichs wird in der Regel die Spiegelreflex darstellen.
Da man bei System- und Spiegelreflexkameras die Objektive wechseln kann, kommt hier erschwerend dazu, dass sich das Gesamtgewicht nicht so pauschal ermitteln lässt.

Hier kann man folgende Regeln zugrunde legen:

  • Eine lichtstarkes Objektiv wird schwerer sein als eine weniger lichtstarke Linse
  • Zoom-Objektive sind meistens schwerer als Festbrennweiten

Zu guter Letzt

Jetzt bleibt nur noch die Frage, was man aufnehmen möchte. Fangen wir mit dem einfachsten an. Dem, was jede Kamera aufnehmen kann, unabhängig von Preis, Technik und Ausstattung. Schlechte Bilder.

Spaß beiseite. Es wird Zeit für eine Auswahl und die geht am besten über ein Flowchart.

Wie am Chart zu sehen, ist das Lager nun deutlich aufgespalten. Bei der linken Seite ist es bis auf wenige Ausnahmen auch so, das in der Regel ein kleinerer Sensor im Gehäuse steckt. Diese Ausnahmen sind aber in der Regel teure Kameras, die wiederum wenig interessant sind für Einsteiger.
Auf der rechten Seite im Chart finden wir die beiden Kameratypen, die wir am meisten auf unsere Bedürfnisse anpassen können.

Denn wenn man Landschaften fotografieren möchten, braucht ein sogenanntes Weitwinkel. Will man Wildtiere aufnehmen, benötigt es ein Telezoom. Für Portraits nimmt man am besten eine Brennweite von 85mm und so weiter. Nun merken auch, das es nie ohne Kompromisse geht. Man wird keine keine Kamera kaufen können, die so groß und leicht ist wie eine Kompakte, ein so gutes Rauschverhalten hat wie ein Vollformatsensor und dabei nur so wenig kostet wie ein Einsteigermodell.

Wenn man eine Kamera anpassen und sie mit der Zeit in den Möglichkeiten erweitern möchte, ist man mit einer System- oder Spiegelreflexkamera besser beraten. Wer nur eine leichte Kamera haben will, der nimmt eine Kompakte. Wem ein Allrounder mit großem Zoom reicht und wer mit einer leicht eingeschränkten Bildqualität zufrieden ist, kann zu einer Bridgekamera greifen.

Wer bis hierher gefolgt ist, hat eine Menge gelesen über Sensoren, Kameratypen, Wechselobjektive und so weiter. Man merkt aber auch, das ich nur eingeschränkt einen bestimmten Typ empfohlen habe und keine Marke als Empfehlung genannt habe. Vielleicht fragt Ihr euch nun, was das für eine komische Hilfe sein will, wenn man nicht am Ende des Artikels weiß, welche Kamera man sich kaufen soll.
Die einfache Antwort ist, selbst wenn Ihr mir sagt was Ihr ausgeben und fotografieren möchtet, werde ich keine genaue Antwort wissen. Ich könnte Euch nun exakt meine Kamera nennen aber das möchte ich nicht. Beispiele helfen Euch, wenn Ihr eine Kamera auf Bildern ansehen möchtet. Damit wisst Ihr aber nicht, ob es die passende Kamera für Euch ist. Ich werde Euch aber auf etwas aufmerksam machen, das man gerne vergisst. Abseits von Versandhäusern, großen Elektromärkten und der Illusion des günstigen Einkaufs gibt es noch etwas, das sich Fachgeschäft nennt. Wenn ich meinen Bekannten all das, was Ihr nun gelesen habt erklärt habe, nehme Ich sie mit in genau so ein Fachgeschäft. Denn bei einer Kamera ist es wie mit jedem anderen Werkzeug: Man muss es in die Hand nehmen und ausprobieren. Dabei hilft es dann, wenn Ihr mit der hier angebotenen Hilfe eine Vorentscheidung getroffen habt. Ich bin mir sicher, das Ihr mit einer Kamera aus dem Fachgeschäft kommt, die Euch ein Lächeln ins Gesicht zaubert und mit der Ihr genau die Bilder machen könnt, die Euch vorschweben.

Woher ich das so genau weiß? Weil es bisher immer geklappt hat.

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