Blende – ISO – Verschlusszeit

Nachdem ich mir schon ganz lange vorgenommen habe eine Einführung zum magischen Dreieck der Fotografie zu schreiben, hier ist er endlich. Der Artikel mit dem Ich versuchen möchte Euch das Zusammenspiel zwischen Blende, ISO und Verschlusszeit zu erklären. Drei Werte, die man oft bei Bildern angegeben bekommt und die sich beeinflussen. Picken wir also erst einmal einen der Werte heraus und fangen an.

Die fotografische Blende

Um zu verstehen wie die Blende die Belichtung beeinflusst, ist ein wenig technisches Verständnis von Vorteil. Ganz einfach beschrieben ist die Blende eine mechanische Vorrichtung welche den Lichteinfall auf den Sensor regelt. Dazu ist sie aus Lamellen zusammengesetzt, die sich beim Schließen der Blende zusammenziehen und die sogenannte Blendenöffnung verkleinern.

Auf einem Objektiv ist in der Regel die maximale Blendenöffnung mit einer Zahlenfolge wie z.B. 1:1.8 angegeben. Aber es findet sich dafür auch oft die Bezeichnung F1.8, beides meint aber dasselbe.

Etwas verwirrend für den Laien mag erscheinen, das die Offene Blende durch einen kleinen Zahlenwert und die geschlossene Blende durch einen hohen Zahlenwert angegeben wird. Dieser Wert gibt das Verhältnis von Brennweite f zum Durchmesser der wirksamen Eintrittspupille der Linse D (Öffnungsweite des Objektives) an.  Ihr versteht nur Bahnhof? Nicht schlimm, Ihr könnt Euch merken, je kleiner die angegebene Zahl der Blende, umso lichtstärker ist das Objektiv.

Offene Blende
Geschlossene Blende

Auf den beiden Bildern seht Ihr ein altes Canon FD Objektiv. Einmal mit offener und einmal mit geschlossener Blende, damit Ihr Euch vorstellen könnt, wie das ganze aussieht. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, wie wenig Licht durch eine geschlossene Blende fällt. Das hat direkt Einfluss auf die Verschlusszeit. Dazu aber später etwas mehr. Die Blende beeinflusst nämlich noch einen anderen Faktor.

Die Schärfentiefe

Die Bezeichnung Schärfentiefe ist meiner Meinung nach etwas schwer zu beschreiben und es klappt vielleicht einfacher, wenn man sich mit den englischen Begriffen auseinander setzt. Im englischen nennt man die Schärfentiefe Depth of field (DOF) oder focus range. Sie beschreibt die Distanz zwischen dem am Fokuspunkt nächsten und weitest entferntesten Bereich der hinlänglich scharf abgebildet wird.
Man könnte das nun wiederum berechnen, aber mit einfachen Worten gesprochen ist die Schärfentiefe geringer, je weiter offen die Blende eines Objektives ist. Man nutzt diesen Effekt gerne bei Portraits, wo man das Gesicht scharf abbilden möchte und der Hintergrund unscharf werden soll. In der Regel ist das dem Fotografen am nächsten stehende Auge der Fokuspunkt.
Je weiter eine Blende geschlossen wird, umso schärfer wird auch der Hintergrund. Das wiederum ist ein Effekt, den man in der Landschaftsfotografie nutzen kann.
Damit Ihr Euch besser vorstellen könnt, wie das mit der Schärfentiefe funktioniert eine kleine Fotostrecke. Die Strecke zeigt wie sich die Blende bei den nacheinander eingestellten Schritten 1:1.2 – 1:2  – 1:4 – 1:8 – 1:11 verhält. Je weiter abgeblendet wird, umso stärker nimmt die Schärfentiefe zu.


Verschlusszeit

Alle Klarheiten beseitigt? Dann geht es weiter mit der Verschlusszeit. Mit der Verschlusszeit wird geregelt wie hell oder dunkel ein Bild wird, unabhängig von der Blende oder der ISO. Dazu müsst man wissen, wie das erkannt werden kann.
Moderne Kameras haben eine Belichtungsmesser eingebaut, der anhand einer Skala in Zahlen ausdrückt, wie unser Bild belichtet wird. Wie eine Kamera das anzeigt ist natürlich von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich und bei Spiegellosen Kameras auch noch davon abhängig ob man sich diesen Wert anzeigen lässt oder nicht.
Bei meiner Kamera habe ich es eingestellt, das es in Form eines Histogramms und Zahlen angegeben wird. Das Histogramm gibt mir, genauso wie der Zahlenwert, Aufschlüsse über die Belichtung meines Bildes. Zeigt der Belichtungsmesser 0, dann ist das Bild normal belichtet. Minuszeichen geben Unterbelichtung an, positive Zahlen Überbelichtung. Genauso kann man über das Histogramm abschätzen. Sind die Kurven der Häufigkeitswerte eher links im Diagramm, dann besitzt das Bild mehr dunkle Anteile, rücken die Kurven nach rechts sind mehr helle Anteile im Bild.
Geht man von einem Bild aus, das normal belichtet werden soll, wird die Verschlusszeit umso länger, je weniger Licht vorhanden ist. Was zur Mittagszeit im Freien noch eine Verschlusszeit von 1/2000s sein kann, kann in den Abendstunden schon zu einer 1/300s zusammenschrumpfen. Abhängig ist das zudem noch von der Blende. Wurden die 1/2000s zur Mittagszeit mit einer Blende von F4.0 fotografiert und man schließt die Blende auf F5,6, dann halbiert sich die auf den Sensor fallende Lichtmenge und man benötigt eine Verschlusszeit von ca. 1/1000s um dieselbe Belichtung zu erreichen.

Wer das mal ausprobieren möchte, der kann seine Kamera auf den Modus Blendenpriorität (oder Zeitautomatik) stellen und beobachten wie die Kamera die Verschlusszeit anpasst, sobald die Blende geschlossen wird.

Bewegungsunschärfe

Eine lange Verschlusszeit bringt (oft gewollt) den Effekt mit, das bewegte Objektive unscharf werden. Objekte wirken durch diesen Effekt verwischt oder wirken geglättet. So kann man zum Beispiel Bewegungen in einem Bild sichtbar machen. Zum Beispiel, wenn bei einem Gitarrenspieler der Mensch und das Instrument klar zu sehen sind, die Hand aber wegen der Bewegung verwischt. Oder indem man bei einem Wasserfall das Wasser wie Nebel aussehen lässt.

Bewegungsunschärfe einer 5 Sekunden Belichtung – Bild: „Hinab“ von Merkosh auf deviantART

ISO

Sei in diesem Bunde die dritte Größe welche eine Belichtung beeinflusst. Es wird dunkler, man ist immer noch mit der Kamera unterwegs. Die maximale Offenblende unseres Objektivs ist schon eingestellt und doch will die Kamera immer längere Verschlusszeiten, damit man nicht nur schwarze Bilder aufnimmt. Dummerweise werden die Verschlusszeiten irgendwann so lange, das man verwackelt. Hier kommt nun der ISO-Wert ins Spiel. Wer im Netz forscht, der kann herausfinden dass hinter der Abkürzung ISO die Internationale Organisation für Normung steckt. Diese Organisation hat im Jahr 1974 die in Kameras genutzte Angabe für die Lichtempfindlichkeit eines Filmes festgelegt. Dieses System wird heute auch bei Digitalkameras verwendet, allerdings beeinflusst der Wert nun den Sensors.
Je empfindlicher man einen Sensor einstellt, umso kürzer kann man belichten. Sprich, wird das Licht in den Abendstunden schwächer und wir verwackeln bei Blende F2.8 und 1/25s Verschlusszeit, dann kann man die Lichtempfindlichkeit von ISO 100 auf ISO 200 setzen. Belässt man die Blende bei F2.8, dann wird man wieder schnellere Verschlusszeiten erreichen und kommt damit auch wieder in Bereiche, in denen man nicht mehr verwackelt.
Man darf aber nicht auf die Idee kommen, das man ungestraft die ISO in die Höher treiben kann. Je nach Kameramodell setzt irgendwann das Bildrauschen ein. Je stärker das Bildrauschen ist und je stärker man mit der Nachbearbeitung eingreifen muss, umso mehr Bilddetails gehen verloren. Die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit ist also dosiert einzusetzen.

Eine Erklärung am Rande:
Abhängig von der Brennweite fotografiert man ohne zu Verwackeln, wenn die Verschlusszeit dem Kehrwert der Brennweite multipliziert mit den Cropfaktor entspricht. Ein Stabilisator gleicht das bedingt aus. Man kann aber der Einfachheit halber sagen, das man bei 50mm Brennweite an einer Vollformatkamera 1/50s Verschlusszeit benötigt, bei APS-C (Faktor 1,5) wären das 1/75s und bei MFT (Faktor 2) 1/100s. Kann man diese Zeiten nicht einstellen, dann gilt die nächst kürzere Zeit.  Die Zeiten, welche man mit dieser Faustformel errechnet nennen sich Freihandgrenze.

Kurz gesagt

Betrachtet man die drei Werte, dann erkennt man sehr schnell, das sie in engen Zusammenhang stehen. Sie beeinflussen sich mehr oder minder stark und tragen zusammen zur Belichtung des Bildes bei. Allerdings haben diese Werte auch einen gewissen Einfluss auf die Bildwirkung. Die Blende, bedingt dadurch, das sie für die Unschärfe des Hintergrunds mitverantwortlich ist. Die Verschlusszeit, welche darüber entscheidet ob ein Bild verwackelt oder nicht und auch eine gewollte oder ungewollte Bewegungsunschärfe mit sich bringt. Zum Schluss die Lichtempfindlichkeit, welche mir das Bildrauschen beeinflusst.
Um diese Faktoren als Einsteiger zu verstehen mag es ein wenig Fleißarbeit sein alles zu lernen, aber man kann eine Sache mit Sicherheit sagen. Versteht man das Zusammenspiel der drei Faktoren, dann ist mit die wichtigste Hürde zum manuellen Einstellen der Belichtung genommen.
Denn sind wir ehrlich, aller Anfang ist schwer und in den Automatikprogrammen waren wir alle mal Zuhause.

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