Review: Olympus E-M1II

Seit dem 12.12.2016 habe ich die Möglichkeit, die Olympus E-M1II ausgiebig zu testen. Zeit also, dazu ein Review zu verfassen. Getestet wurde die Kamera auf zwei Veranstaltungen, aber auch beim alltäglichen Fotografieren. Aber der Reihe nach…

Technische Eckpunkte

Die E-M1II ist mit einem 20,4 Megapixel Sensor und Micro Four Third Wechselobjektivsystem ausgestattet.  Der Sucher besitzt knapp 2.360.000 Bildpunkte, während der dreh- und schwenkbare 3 Zoll Touchscreen Monitor 1.040.000 Bildpunkte bietet. Der Autofokus bietet im Phasenvergleich-AF 121 Kreuzsensoren, 800 Messfelder im Kontrast-AF.

In der Kamera werkelt ein 5-Achsen Bildstabilisator, der im Pixel-Shift auch hochauflösende Aufnahmen ermöglicht. Zum Abspeichern der Daten stehen zwei Kartenslots zur Verfügung. Ein Slot ist auf UHS-I Karten beschränkt, der andere nimmt auch UHS-II. Ein USB-Kabel in Richtung PC wird per Typ C eingeklinkt, es stehen eine Buchse für Mikrofon und Kopfhörer bereit, ebenso wie ein HDMI-Anschluss.

Mitgeliefert wird der bereits von der E-M5II und Pen-F bekannte Aufsteckblitz FL–LM3, ein Akku-Ladegerät und der neue Akku des Typs BLN-1. Laut CIPA soll der neue Akku für 440 Aufnahmen halten. Das Netzkabel für das Ladegerät ist mit dabei. Ebenso findet sich ein Kabelclip, ein Trageriemen und das schon vorher angesprochenen USB-Kabel dabei.

Das Gehäuse besteht aus einer Mangesium-Legierung ist Spritzwassergeschützt und bis -10°C Frostsicher. Bei so einer Angabe muss man aber hoffen, das der Akku diese Temperaturen mitmacht.

Bedienung

Die Kamera lässt in Sachen Bedienung nur wenige Wünsche offen, scheint aber wesentlich besser auf eine Einstellung mit der rechten Hand ausgelegt zu sein, als das zum Beispiel mit der E-M5II der Fall ist. Das Moduswählrad ist auf der rechten Seite untergebracht, wo es neben Stellrädern beheimatet wurde, mit denen man unter anderem Blende oder Verschlusszeit ändern kann.

Um zwischen Einzelbild, Serienbild oder HDR-Modus umzuschalten gibt es einen Schnellzugriff, ebenso um die Messung des Weißabgleichs einzustellen. Die FN-Tasten sind vorbelegt, es findet sich eine Aufnahmetaste für Filme und die obligatorischen Knöpfe um Aufnahmen anzusehen oder zu löschen.
Den Fokuspunkt ändert man über das Steuerkreuz, die OK-Taste bietet bei einmaligem Druck Zugriff auf das Schnellauswahlmenü. Der Touchscreen darf als Bedienelement nicht außer acht gelassen werden. Ob man nun den Fokuspunkt festlegen will, Auslösen oder bei der Bildansicht durch die einzelnen Aufnahmen wischen möchte, kann man festlegen. Wer die Funktion nicht nutzen möchte, kann die Touchfunktion auch abschalten. Betrachtet man nur die reinen Tasten und Knöpfe, zähle ich 14 Tasten, dazu 4 für das Steuerkreuz. Die beiden Einstellräder können doppelt belegt werden, ebenso kann die Belegung des Modus-Wählrades verändert werden.

Es überrascht mich nicht, das die E-M1II ein wahres Konfigurationsmonster ist. Wenn es mir nicht gefällt, das ich mit dem vorderen Rad die Blende und mit dem hinteren die Verschlusszeit einstelle, kann ich das ändern. Möchte ich die Erhöhung eines Wertes lieber mit Dreh nach links oder lieber nach rechts? Ich kann es festlegen.
Ich filme nicht und hätte auf dem Aufnahmeknopf lieber eine andere Funktion? Kein Problem.
Das macht das Menü der Kamera auf den ersten Blick leider etwas übersichtlich. Wer aber hier nicht in Panik gerät merkt schnell, das es durchaus logisch aufgebaut ist.

Mahnende Worte zu den Einstellungen

Die Voreinstellung ermöglicht es zwar, die Kamera direkt nach Start zu bedienen, wer allerdings nicht die erste Olympus in der Hand hält, wird sich sicherlich etwas Zeit nehmen um Anpassungen vorzunehmen. Egal zu welcher Gruppe man gehört, sollte man das mit Bedacht machen ehe man eine Funktion deaktiviert und die Einstellung nicht mehr findet. Ein Zurücksetzen auf Werkseinstellungen ist dann oft die letzte Rettung.

Auf die einzelnen Einstellmöglichkeiten kann ich in diesem Review nicht eingehen, dafür werden sicherlich aus anderer Feder Bücher erscheinen, die sich dem annehmen. Alternativ gibt es natürlich auch jetzt schon das offizielle Handbuch von Olympus.

Bekanntes und Neues

Die E-M1II bietet wie auch andere Modelle aus dem Haus Olympus wieder die Möglichkeit via Pixel-Shift hochauflösende Bilder aufzunehmen. Ein Stativ vorausgesetzt klappt das bei unbewegten Objekten sehr gut. Ebenso ist der Live-Composite Modus wieder mit dabei. Für Langzeitbelichtungen in der Stadt eine Wohltat.
Die Serienbildrate wurde bei der E-M1II ordentlich aufgebohrt. Wer die Kamera entsprechend einstellt und den Auslöser durchdrückt wird überrascht sein, wie sich 60 Bilder pro Sekunde im S-AF anhören. Bei mir löst das Schnurren des Auslösers ein Gefühl aus, das knapp davor steht die Grenze zum Unanständigen zu überschreiten.Im C-AF bleiben davon noch 18 Bilder pro Sekunde übrig. Das alleine ist aber schon unglaublich schnell. Man muss aber vollkommen berechtigt fragen, wo so eine Geschwindigkeit wirklich benötigt wird. Die Kamera einzig und alleine darauf zu reduzieren, wäre allerdings falsch.
Ebenfalls neu ist der Pro-Capture Modus, der bereits vor dem Auslösen 14 Bilder aufnimmt und abspeichert, damit sich hinterher nimand ärgert, doch den richtigen Moment verpasst zu haben.
An dieser Stelle sollte man erwähnen, das man Speicherkarten mit hohem Volumen verwenden sollte. Sonst darf man sich nicht wundern, wenn es irgendwann einmal heißt „Speicherkarte voll“.

Testausrüstung

Nachdem ich mir einige Zeit genommen habe um mich mit der Bedienung der Kamera vertraut zu machen und sie auf meine Vorlieben anzupassen ging es an die ersten Testaufnahmen. Neben der Kamera wurde hierzu folgende Objektive benutzt:

  • Olympus 17mm F1.8
  • Olympus 12-40mm F2.8 PRO
  • Olympus 40-150 F2.8 PRO

Kurz zu Erläuterung der Auswahl. Das 17mm kommt als typische Reportagenbrennweite in den Testparcour, da sie meiner Meinung nach ein gerne gewähltes „Immer-Drauf-Objektiv“ sein kann. Das 12-40PRO wird mit der Kamera im Kit verkauft, weswegen auch die meisten Test-Bilder mit dieser Kombination entstanden sind. Als Tele kommt das beliebte 40-150PRO zum Einsatz. Gewählt wurden die Objektive aus dem Grund, da vermutlich die meisten MFT-Besitzer eine ähnliche Kombination besitzen.

Aufnahmen entstanden in Tübingen, auf Burg Stettenfels, in der Freien Wildbahn rund um Reutlingen und auf einer Firmenfeier.

Praxiseinsatz

Nachdem die Kamera eingestellt war, ging es in die freie Wildbahn. Hecken und Sträucher waren die Motive der Wahl in Reutlingen. In Tübingen bot sich die Altstadt an. Bei einer Firmenfeier ging es in den Bereich der Spontanen Potraits und auf Burg Stettenfels gab es einige Nachtaufnahmen und die Kamera durfte sich bei schlechteren Lichtverhältnissen beweisen.

Schon beim ersten in die Hand nehmen stellte ich fest, das die Kamera sehr gut in der Hand liegt und dank der Gummiehrung habe ich nie die Sorge, das der Body aus der Hand gleitet. Die Knöpfe lassen sich alle bequem erreichen und selbst ohne Arretierung musste ich keine Sorge haben, das sich das Moduswählrad verstellt. Einblendbare Wasserwaage und Hilfslinien erleichtern den Bildaufbau. Vom Handling her kann ich nur sagen, dass die Kamera keinen Grund zur Beanstandung bietet.

Also ab an die Aufnahmen. Bei Naturaufnahmen am Tag bei klarem Himmel und dezentem Sonnenschein muss man sagen, das diese für eine Kamera dieser Preisklasse keine ernsthafte Herausforderung darstellen dürfen und so waren auch die Ergebnisse der Bilder ziemlich genau auf dem hohen Niveau, wie ich sie erwartet habe.

In Tübingen und auf Burg Stettenfels kamen Aufnahmen in den Abendstunden dazu, die Freihand fotografiert wurden. Eine erste Herausforderung kam dann bei der Firmenfeier auf. Bei diesen Aufnahmen kletterte die ISO Zahl bis in die Höhe um 1600, was zwar leichtes Rauschen hervorruft, in der Bildbearbeitung aber entfernt werden kann.
Gerne wird ja bezüglich der Größe des Sensors bemängelt, das eine MFT-Kamera kein Lowlight Profi sein kann. Und man merkt, das ab ISO 3200 die Qualität abnimmt und ab 6400 so langsam die Luft dünner wird. Wie oft jeder Einzelne bei solchen Einstellungen fotografiert ist dann aber die Frage, die sich auch jeder selbst beantworten muss. In Regionen, wo die Qualität so schlecht wird, das ich aufgrund des Rauschens eine Aufnahme nicht mehr ansehnlich finden würde, bin ich bisher nicht vorgedrungen.

Besonders gut hat mir die Laufleistung des Akkus gefallen. Nach 300 Aufnahmen zeigte mir das Display noch 48% an, was deutlich mehr ist, als ich bisher bei einer Systemkamera erlebt habe. Ein dickes Lob für den neuen Akku. Nicht nur, das er %-genau ausgelesen wird, ich kann endlich wieder mit einem Akku einen Abend durch fotografieren ohne ständig einen Drittakku dabei haben zu müssen.

Fazit & Meinung

Den Titel Flaggschiff im Hause Olympus verdient sich die E-M1II zurecht. Man hat bei der Kamera ein sehr ordentliches Gesamtpaket geschnürt, das allerdings seinen Preis hat. Meiner Meinung nach ist der gerechtfertigt für das, was man geboten bekommt. Der „Haben-Wollen“-Faktor jedenfalls ist ungeahnt hoch, betrachtet man die Nachfrage.
Für mich ist die Kamera ein Werkzeug, das mir neue Möglichkeiten bietet um dem kreativen Prozess des Fotografierens Herr zu werden. Olympus pflegt die bekannten Modi wie Live-Composite und Pixel-Shift weiter und bringt mit dem Pro-Capture-Mode und der Serienbildrate technische Neuerungen, welche es noch einfacher machen ein gutes Bild zu erhalten. Ich bezeichne die Kamera getrost als Arbeitstier. Zwar sollte man ihr ein passendes Geschirr anlegen, danach dürfte man aber nur wenig Grund zum Meckern haben.

Beispielbilder

Als letztes sollen noch die Links zu Galerien mit Beispielbildern folgen, die in deviantArt ausgelagert sind. Ich weise darauf hin, das die Bilder teilweise im Rohdatenformat aufgenommen wurden und mit Lightroom bearbeitet um leichtes Bildrauschen zu entfernen und eine Signatur einzufügen. Die Aufnahmen, welche mit ISO(Wert) bezeichnet sind, entstammen direkt der Kamera und sind als JPG aufgenommen. Bilder der Firmenfeier muss ich leider aus Datenschutzgründen schuldig bleiben. Die Aufnahmen sollten aber einen Überblick über die Bildqualität gewährleisten.

Hier geht es zu den Aufnahmen.

2 Replies to “Review: Olympus E-M1II

  1. Also die Bilder ab ISO 6400 machen keinen schlechten Eindruck. Da sollte man mal eine Gegenüberstellung mit z. B. Sony 7 R II machen.
    Merci für deine Arbeit.

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