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Review: Tamron 28-75/2.8 AF Di III RXD

Lichtstarke Vollformatobjektive müssen nicht immer teuer sein. Tamron bietet mit dem 28-75mm F2.8 Zoomobjektiv eine Alternative zum 24-70mm F2.8 G-Master an. Aber kann das Objektiv mit dem wesentlich teureren G-Master überhaupt mithalten? Das soll dieser Testbericht klären. Eingangs erwähnen möchte ich, dass es sich um einen Einkauf aus eigener Tasche handelt und daher meine ehrliche Meinung niedergeschrieben wurde.

Lieferumfang

Das Objektiv wird in einer größtenteils weißen Schachtel mit entsprechenden Aufdrucken ausgeliefert. Die Beschriftung und ein paar Aufkleber deuten darauf hin, dass das Objektiv für eine Sony Vollformatkamera mit e-Mount gedacht ist. Im Inneren der Schachtel findet sich das Objektiv, eine Streulichtblende, ein Front- sowie ein Rückendeckel und die zugehörige Dokumentation. Letztere besteht aus ein paar Sicherheitshinweisen und einer kurzen Beschreibung.

Technisches Angaben

Was hat man nun aber in den Händen? Die Werte zum Objektiv verraten mehr.

  • Brennweiten: 28mm – 75mm
  • Maximale Blendenöffnung: F2.8 (durchgängig)
  • Minimale Blendenöffnung: F22
  • Naheinstellgrenze: 0,19m (Wide); 0,39m (Tele)
  • Anzahl Blendenlamellen: 9
  • Linsenanordnung: 15 Elemente in 12 Gruppen
  • Filtergewinde: 67mm
  • Durchmesser: 73mm
  • Länge: 117,8mm
  • Gewicht: 550g
  • Mitgeliefertes Zubehör: Front- und Rückendeckel, Streulichtblende

Material, Verarbeitung, Handling

Schon beim Gewicht wird klar, das man deutlich leichter unterwegs ist als beim Sony FE 24-70 F2.8 G-Master. Das Objektiv gibt sich auch etwas kompakter. Woher die Gewichtsersparnis von über 300g herrührt wird klar, sobald man das Tamron in der Hand hat. Das Gehäuse ist aus Kunststoff gefertigt. Die Haptik darf man aber nicht bemängeln. Das Äußere liegt gut in der Hand und der Kunststoff ist durchaus als sehr hochwertig zu bezeichnen.
Auch in Sachen Verarbeitung gibt es keine Kritikpunkte. Alles sitzt so wie es sein sollte und das erwartet man auch von einem Konstrukt, welches Staub- und Spritzwassergeschützt ist.

Das Objektiv besitzt zwei Einstellringe. Der vordere zur Veränderung der Brennweite, der hintere dient zur Einstellung des manuellen Fokus.
Die Streulichtblende lässt sich zum Transport verkehrt herum am Objektiv befestigen. Auch sie ist aus Kunststoff gefertigt.

Bedienen lässt sich das Objektiv nach einigen Wochen ausgiebiger Tests sehr gut. Verändert man die Brennweite, so bleibt die Skala genau auf dem Punkt stehen, auf den ich sie justiert habe. Auch wenn ich die Kamera mit Objektiv nach unten halte. Es verrutscht nichts.
Im manuellen Fokus gibt der hintere Einstellring die Kommandos sauber an die Stellmotoren weiter. Der Ring lässt sich leicht und angenehm bewegen.
Noch etwas sehr angenehmes ist der allgemein sehr leise und flott arbeitende Autofokus. Man hört ihn so gut wie nicht und muss schon mit dem Ohr direkt an das Objektiv um die Arbeitsgeräusche wahrzunehmen.

Im Vergleich zu älteren Tamron-Objektiven, welche ich selbst an meinen früheren Sony a-Mount Kameras hatte, wurde die Optik meiner Meinung nach deutlich verbessert. Generell fühlt sich der Kunststoff beim 28-75mm sehr angenehm an. Auf den bekannten goldenen Ring mit Firmennamen hat man verzichtet, die Beschriftung ist eher dezent in weißer Schrift aufgetragen.

Vergleiche zum 24-70mm F2.8 G-Master

Im Vergleich zum G-Master fehlt dem Tamron ein MF/AF-Schalter. Sprich diese Umstellung muss man mit der Kamera vornehmen. Wer oft zwischen den Fokusarten wechselt, den wird das vielleicht stören. Ebenfalls muss man auf Fokus-Hold-Button verzichten.
Viel auffälliger ist aber der Brennweitenbereich. Weniger Weitwinkel als beim G-Master, dafür „mehr“ Tele.
Letzten Endes noch der gravierendste Unterschied im Preis. 799€ bei Tamron versus knappen 2000€ bei Sony. Gerade dieser Unterschied wird viele Käufer auf das Tamron aufmerksam machen. Optisch macht das Tamron an einer a7II (in meinem Fall) übrigens eine gute Figur.

Noch mit umgedrehter Streulichtblende: Das Tamron 28-75/2.8 AF Di III RXD an der a7II

Die Bildqualität

Wer eine neue Linse anschafft, der will wissen ob sie denn auch eine ordentliche Bildqualität abliefert. Ich selbst bin wenig Freund davon über Linienpaare zu berichten und liefere am Ende lieber eine Bildgalerie mit Testaufnahmen (man findet sie im Anschluss an das Review).

Was mir persönlich auffällt ist, dass das Tamron bei Offenblende an den Ränden sichtbar weicher wird, als in der Bildmitte. Eine Randabschattung ist vorhanden, wer um eine Blendenstufe schließt, der wird merken das die Vignette abgenommen hat. Sofern die Kamera nicht schon vorab gute Arbeit geleistet und korrigierend eingegriffen hat.
Dafür korrigiert die Kamera keinerlei Verzeichnung bei der Aufnahme. Wer wie ich mit Lightroom arbeitet, der muss sich diesbezüglich aber keine Sorge machen. Für die aktuelle Classic CC Version ist ein Profil hinterlegt, welches die Verzeichnung korrigiert. Extrem störend wird die Verzeichnung aber nicht auffallen.
Schwer tue ich mich bei der Bewertung von Farbsäumen. Bei manchen meiner Testaufnahmen sind sie sichtbar, mitunter auch stärker. Hier muss sich das Tamron die Kritik einfach gefallen lassen.

Dafür ist das Verhalten bei Gegenlicht und die Anfälligkeit für Lensflares traumhaft. Ich habe während des gesamten Testzeitraums so gut wie nie mit Lensflares Probleme gehabt. Das habe ich bei anderen Objektiven schon deutlich schlechter erlebt.

Auf meiner Berlin-Reise hatte das Tamron einiges bewältigen dürfen. Dabei ist mir aufgefallen, dass ab F8-F11 die gefühlt beste Schärfe bei Stadtpanoramen und Landschaftsaufnahmen in den Bildern zu sehen ist. Freunde von Blendensternen erwartet ab F11 ein wirklich schöner „Stern“.

Streitfrage: Bokeh

Ich schreibe nicht das erste Review zum Tamron 28-75mm F2.8 und habe mir schon im Vorfeld zum eigenen Kauf die Meinung andere Personen in der Netzwelt zu Gemüte geführt. So wurde das Bokeh als unruhig bezeichnet und auch schon mit einem leichten Blubbern von Altgläsern auf eine Stufe gestellt.
Ich selbst mag das Bokeh, welches das Tamron bei Offenblende produziert. Auch und vielleicht gerade deshalb, weil es nicht so cremig weich ist, wie mancher das gerne hätte.

Mein Fazit und Bewertung

Das Tamron 28-75mm F2.8 ist in Hinblick auf die Farbsäume und das Bokeh mit Sicherheit nicht für jeden die perfekte Wahl. Im Pro/Contra Vergleich verbucht die Linse aber wesentlich mehr Punkte auf der Haben-Seite. Meiner Meinung nach ist es ein Objektiv, welches zeigt dass ein Vollformat-Zoom nicht nur teuer und schwer sein muss. In Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis muss es sich nicht verstecken. Wer also ein lichtstarkes, gutes und günstiges Objektiv für seine Sony a7-Baureihe sucht, der sollte für den Preis von 799€ zugreifen.

Entsprechend dem Bewertungssystem von Amazon würde ich 4 von 5 Sterne vergeben.

Weiterführende Links

Bildergalerie der Testaufnahmen

Merkosh
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